Der japanische Regierungschef Naoto Kann hat zum ersten Mal in der Geschichte Japans den nuklearen Notfall ausgerufen. Grund hierfür sei laut einem Pressesprecher der japanischen Regierung der Brand bzw. der Austritt von Flüssigkeit in mehreren Atomkraftwerken im Norden des Landes. Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtet von einem Feuer im AKW von Onagawa. Dieses sei Folge des verheerenden Erdbebens, mit einer Stärke von bis zu 8,9,konnte aber laut Medienberichten schnell gelöscht werden. Die Abschaltung des Reaktors sei „zügig und ohne Probleme“ vorangegangen, ein atomares Leck und somit Grund zur Angst bestehe nicht, so Kann im japanischen Fernsehen. Größeren Ausmaßes und vor allem gefährlicher seien die Zustände nahe Fukushima. Hier musste eine Notabschaltung Schlimmeres, wie beispielsweise eine Explosion, verhindern. Nach den schweren Erschütterungen im japanischen Norden sei ein Leck in der Kühleranlage aufgefallen, durch welches Kühlflüssigkeit entweichen konnte. Die Atomreaktoren sind aber weiterhin heiß und brauchen dringend eine Abkühlung. Wird der Kern nicht gekühlt kann er ab einer Temperatur von 2800° Celcius den Beton, wie auch die Außenwände des Reaktors, schwächen und beschädigen. Ein Austritt von radioaktiven Strahlungen schließt das Amt für Atomkraft daher nicht aus.

Was sind denkbare Szenarien?
Die Schnellabschaltung erfolgt automatisch durch ein von der Stromversorgung unabhängiges hydraulisches System, wie beispielsweise durch gespeicherte Energie innerhalb eines Drucktanks. Mögliche Szenarien bei Versagen wären unter anderem die Knallgasexplosion, welche durch zu große Hitze ausgelöst wird und Wasser mit Sauerstoffreagieren lässt. Das „hinabfallen“ der Steuerungsstäbe auf den glühend heißen Kern oder auch eine Kettenreaktion der chemischen Bestandteile. Jedes dieser Szenarien hätte eine Explosion oder einen Austritt von radioaktiven Substanzen zur Folge. Zuletzt geschah ein solches Szenario 1986, als das AKW nahe Tschernobyl überhitzte und schließlich explodierte.

Autor: Nils Wischmeyer